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| Radtour mit Kultur
Haunstetten, 2. August 2009
Jutta Goßner, Kulturkreis Haunstetten e.V.
Auch dieses Jahr fand die Radtour mit Kultur großen Anklang. Über 30 Kulturbegeisterte ließen sich von Frau Goßner die Geschichte einzelner Gebäude oder Plätze erklären. Auch die einzelnen Regenschauer, hielt nur wenige davon ab, der Tour weiter zu folgen.
  
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I. Pfarrkirche St. Georg (früher von einem Friedhof umgeben)
a) Wie die alte gotische Pfarrkirche ausgesehen hat, ist nicht bekannt.
Die jetzige Pfarrkirche ist in mehreren Bauabschnitten entstanden. Chor, Turmunterbau und möglicherweise auch der Kern des Langhauses gehören dem ausgehenden 15. oder frühem 16.Jh. an.
Unter Abt Willibald Popp erfolgte 1729/30 eine gründliche Umgestaltung, die dem Augsburger Stadtmaurermeister Johann Paulus zuzuschreiben ist. Die Kirche erhielt Decken- und Wandfresken von Johann Georg Wolcker (1700 in Burgau – 1766 in Augsburg) und Stuckdekoration. Das Hauptfresko im Chor - die Himmelfahrt Mariens – und die Evangelisten sind noch von ihm.
1886/88 wurde diese Kirche um zehn Meter nach Westen verlängert, die alte barocke Ausstattung fast beseitigt, mit neuer Ausstattung im Stil der Neuromantik versehen und neu ausgemalt.
1907 erstmals elektrische Beleuchtung. 1910 neue Glocken ersetzen die alten von 1817 und 1824; 1933/34 Innenrestaurierung; während des 2.Weltkriegs mussten die Glocken eingeschmolzen werden.
1964/66 Innenrestaurierung (Übertünchung der neuromanischen Deckengemälde, Seitenaltäre, Kanzel, Kreuzweg) Die Apostelfiguren von Carl Fischer, gestiftet von G. Käß, blieben auf Druck der Gemeinde erhalten.
Neunziger Jahre unter Pfarrer Karl Streitberger Innen- und Außenrestaurierung. Gemälde von Prof. Georg Bernhard, geb. 1929 in Augsburg. Freilegung der Deckengemälde: " Anbetung der Hirten und der Hl. Drei Könige“, die vier Kardinaltugenden sowie symbolische Eckbilder.
b) Denkmal für die Gefallenen des 1.Weltkriegs
Es wurde am 1.8.1920 enthüllt. Seit den sechziger Jahren steht es aber beim Alten Friedhof. Geschaffen vom Münchner Architekt Grothe und dem Bildhauer Matthias Brenner aus Göggingen.
c) Auf dem Platz westlich der Pfarrkirche stand die im Jahr 1600 gebaute erste Schule des Klosters St.Ulrich und Afra, 1842 bei einem Großfeuer in der Gemeinde abgebrannt. 1851 wurde am gleichen Ort die zweite Schule errichtet. Heute steht hier das Pfarrzentrum.
Ein drittes, neues und größeres Schulhaus war bereits 1888 notwendig, als sich die Schülerzahl von 1850 bis 1880 verdoppelte. 1883: rund 270 Schüler.
Nachdem die Eichendorffschule 1904 (370 Schüler) erbaut worden war, wurde aus dieser dritte Schule eine Kinderbewahranstalt (heute: Kindergarten Dudenstraße). Die Einweihung erfolgte im Juni 1906 durch Pfarrer Eberhard Spiekermann und Bürgermeister Karl Seethaler. Die Franziskanerschwestern von Maria Stern betreuten hier jahrzehntelang die Kinder und gaben hier auch Nähkurse für junge Frauen.

II. Anwesen Brem
1840 erbaut als Ökonomiehaus des ehemaligen Klostergutes, d.h. das Verwaltungs- und Amtsgebäude des Reichsklosters bis 1802; genannt das „Haunstetter Schlösschen“.
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III. Gasthaus Hirsch
Hier war von 1927 bis 1954 die Endhaltestelle der Straßenbahn und viele Ausflügler aus Augsburg kehrten hier ein. Die Straßenbahn ging über die Bürgermeister-Widmeier-Straße und die Porststraße biss zum Georg-Käß -Platz. Die Geleise liefen mitten auf der Straße.
(Bisherige Endstation Messerschmittwerk II).
Eröffnung der Straßenbahnlinie am 28.10.1927 mit Augsburgs Oberbürgermeister Deutschenbaur und Haunstettens Bürgermeister Widmeier. |
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IV. Handwerkerbrunnen
a) Er wurde1972 auf dem Platz der im Januar 1970 abgebrochenen Dorf-Schmiede nach dem Konzept von Christian Angerbauer errichtet. Es ist ein stilisierter Baum aus Bronze, in dessen Zweigen nachgebildet das Wappen Haunstettens (springendes Pferd, Ulrichskreuz und Zahnrad) sowie ein Schmied mit Amboss und ein bäuerliches Paar.
b) Maibaum: Die Figuren und Wappen stammen von Angerbauer. Renoviert von Frau Eberle und Frau Huttenlocher vom Kulturkreis.
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V. Muttergotteskapelle
a) Wallfahrtskapelle. Sie wurde 1606-1616 als Friedhofskirche (Fremdenfriedhof) vom Abt von St.Ulrich und Afra Johannes Merk erbaut. Anlass war die 1606 vom Augsburger Bischof Heinrich V. bestätigte Haunstetter Bruderschaft vom hl. Fronleichnam (Corporis-Christi-Bruderschaft). Aufgabe der Bruderschaft war die Sorge für die im Ort verstorbenen fremden Personen, d.h. Personen ohne Heimatrecht z.B. Dienstboten.
b) In diese Kapelle (= Vorgängerbau der heutigen Kapelle) stiftete der Benediktinermönchen Karl Stengel einen Altar; 1626 übertrug er mit Erlaubnis des Abtes das Gnadenbild (um 1430) der Muttergottes hierher.
c) Der heutige Bau geht auf eine Erweiterung von 1740/41 unter Abt Cölestin Mayr zurück, vielleicht durchgeführt durch den Augsburger Maurermeister Johann Paulus. Im Inneren gibt es Freken von Christoph Thomas Scheffler (1742). Er wurde 20.12.1699 in Mainburg geboren, war 1719 – 1722 Geselle bei Cosmas Damian Asam in München und starb 25.1.1756 in Augsburg. Die Deckenbilder sind Darstellungen aus der Marienverehrung. Deckenfresko (12x7 m): Sieg des apokalyptischen Weibes über den Drachen (Offenb. des Johannes); im Osten stehen die Himmelsbewohner im Westen die Mächte der Finsternis. Rundfresko im Chor: Marienkrönung mit Sinnbildern der vier Kardinaltugenden. Die Stuckierung erfolgte durch den aus Wessobrunn stammenden Ignaz Finsterwalder.
Der Hochalter stammt wohl 1745 von Joseph Einsle aus Göggingen.
d) Nach der Säkularisation – Haunstetten gehörte von ca. 1006 bis 1802 zum Reichskloster St.Ulrich und Afra – kaufte die Gemeinde Haunstetten wohl um 1813 die zum Abbruch bestimmte Kirche mit Friedhofsgrundstück.
1858 wurde die Zwiebel des Giebelreiters durch einen neugotischen Spitzhelm ersetzt.
1906 Innenrestaurierung 
1952 Renovierung. 1953/54 stiftete der Heimat- und Volkstrachtenverein neue Glocken und übernahm die Pflege der Außenanlagen. 1973/76 Innenrestaurierung.
1985 wurde durch private Initiative das Marienfresko auf der östlichen Außenseite erneuert.
1996 erneute Renovierung durch die Stadt Augsburg.
e) Unmittelbar nach 1945 war sie das Zentrum der litauischen Gemeinde. Wieso? Die Uno-Organisation UNRRA hatte nach 1945 in Haunstetten ein Lager für nichtdeutsche Flüchtlinge und Vertriebene, so genannte Displaced Persons errichtet, viele stammten aus Litauen (ca. 500-100 in Haunstetten – 2000 im Baltic Camp Hochfeld, heute noch dort das Litauer-Kreuz), den baltischen Staaten oder der Ukraine und waren nach Deutschland umgesiedelt worden oder nach 1944 geflohen. An der rechten Langhausseite erinnert daran eine Gedenktafel.
f) Grabstein des Metzgers
Aufgestellt vom Kulturkreis Haunstetten. |

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VI. Alter Friedhof
Am
17.10.1870 wird der erste Teil des damaligen "neuen" Friedhofs seiner Bestimmung übergeben. Das Leichenhaus wird gebaut. Am 11.11.1870 war die letzte Bestattung auf dem Friedhof bei der Kirche St.Georg, am 1.12. die erste Bestattung auf dem neuen Friedhof. Bereits 1899 wurde der Friedhof vergrößert.
1932 wird das Leichenhaus umgebaut.
14.05.1951 Weihe der neuen Friedhofsglocke, wahrscheinlich vom Bgm. Franz-Xaver Widmeier gestiftet.
a) Dezember 1972, das von Christian Angerbauer geschaffene neue Friedhofskreuz auf einem Obelisk, wird aufgestellt. Auf dem Stein wird der Weg der Menschheit durch das Leben zur ewigen Herrlichkeit dargestellt.
b)
Priestergrab der St. Georgs - Gemeinde; Steinmosaik von Christian Angerbauer.
c) Gedenkstätte für die Gefallenen und Vermissten des 1. und 2.Weltkriegs
2.WK: In den Unterlagen im Stadtarchiv Augsburg der Gemeinde Haunstetten und im Abgleich mit den Daten im Standesamt Augsburg sowie des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge konnte Vorstandsmitglied Heinrich Bachmann weitere über 160 Gefallene des 2.Weltkriegs finden. Durch die Öffnung und Überlassung von Archivmaterialien aus der ehemaligen Sowjetunion sind nochmals eine Reihe von Schicksalen ehemaliger Wehrmachtsangehöriger geklärt worden. 2009 vom Kulturkreis Haunstetten eingeweihte Tafel.
d) Das Käß´sche Mausoleum
Der Unternehmer Johann Georg Käß (16.04.1823 Schussenried – 9.02.1903 Haunstetten) war seit 1844 in Haunstetten ansässig. Das Grabmal von 1904 wurde im Stil kleiner griechisch-orthodoxer Kirchen gebaut. Es ist ein achteckiger überkuppelter Zentralbau aus Kalkstein in romanisierendem Jugendstil und ein einzigartiges Beispiel von Sepulkralarchitektur in Jugendstilform.
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C)
Gedenkstätte für die zivilen Bombenopfer des 2.Weltkriegs (25.2. und 13.04.1944),
Mahnmal des Designers Phillip Jäger. 52 hier beigesetzte. Nun die Namen der in Familiengräbern beigesetzten zivilen Opfer.
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VII. Antoniuskapelle
Die
Die heutige Kapelle an der Kopernikusstraße ist 1953 durch Privatinitiative entstanden. Die Holzfiguren im Inneren (Antonius, Franz von Sales und Petrus von Alcantara) stammen noch aus der alten Kapelle.
Sie ist dem heiligen Antonius von Padua geweiht und stand an der Haunstetter Straße. Sie musste einst Straßenbauarbeiten weichen.
VIII. Messerschmittsiedlung
a) Durch Umwandlung der Udet - Flugzeugbau GmbH in eine Aktiengesellschaft wurde der Name BFW AG im Jahr 1926 (1923?) mit Sitz in Augsburg wieder belebt. (Neu: hat mit alter Firma nichts zu tun! „Alte BFW“ wurde zum BMW; den Autobauer gibt es heute noch). Überdies hatte Edmund Rumpler (1926) die Augsburger  Fertigungsstätten der 1919 liquidierten Bayerischen Rumpler – Werke GmbH an die Udet-Flugzeugwerke verkauft. 1927 schloss diese neue BFW AG einen Kooperationsvertrag mit der Messerschmittflugzeugbau GmbH in Bamberg. 1928 übernahm eine Finanzgruppe um Freiherr Michel-Raulino die BFW. 1932 Konkurs der Bayerischen Flugzeugwerke AG, dann mit öffentlichen Geldern saniert. 1938 ging die BFW in der Messerschmitt AG unter Leitung von W. Messerschmitt auf (Umbenennung; Name BFW verschwand). 1939 war Messerschnitt der größte Arbeitgeber Augsburgs.
b)
1935 suchten die Bayerischen Flugzeugwerke für ihre stetig wachsende Anzahl von Mitarbeitern – in ganz Deutschland wurden Arbeiter geworben - ein Baugrundstück in Haunstetten zur Gründung einer Siedlung. 
1936 Bau der Siedlung. Gründungsdatum ist der 27.21937, d.h. Richtfest für 125 Einzel- und Reihenhäuser mit seitlich versetzten Stallungen zur Kleintierhaltung. Dies war Bedingung beim Erwerb eines Siedlerhauses; ebenso der Anbau von Kartoffeln und Gemüse. Bauträger war die Bayerische Heimstätte GmbH München. 1941 überließ sie die Häuser ihren Benutzern als Eigentum.
c) Nach 1945 war bis 1956 ein Großteil der Wohnungen von den Amerikanern acquiriert worden.
Etliche Teilnehmer konnten von typischen Siedlerhäuschen berichten, die wir dann auch noch besichtigt haben. |

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IX. Hermann-Frieb-Park (auch bekannt unter dem Namen Spring-Park
Hermann Frieb wurde in Österreich geboren. Nach dem Umzug der Familie nach München. 1932 trat er der SPD bei. An der Universität München war er der letzte Leiter der sozialistischen Studentengruppe.
Die erste Verhaftung erfolgte 1934; wegen Verdachts illegaler politischer Tätigkeit aus Bayern ausgewiesen. In Wien und später Prag setzte er sein Studium fort und schloss als Dipl.-Volkswirt ab.
Aus dem Kontakt zum sozialdemokratischen Parteivorstand in Prag begann eine intensive politische Tätigkeit mit Kontakt zu Waldemar von Knoeringen und der Widerstandsgruppe »Neu-Beginnen«. Nach Kontakt mit Bepo Wager 1936 leitete er die illegale sozialistische Organisation Südbayerns. Mit Bebo Wager verfasste er für den SPD-Exilparteivorstand in
Prag, ab 1938 in Paris, Berichte über die Lage in Deutschland. Am 1.August 1941 wurde er zur Wehrmacht eingezogen. Am 26.3.1942 wurde er an der Front verhaftet. Frieb wurde ebenso wie Bebo Wager am 12. August 1943 im Gefängnis von München- Stadelheim hingerichtet. Beigesetzt wurde Frieb auf dem Nordfriedhof in München.
Die 128 Opfer des KZ-Außenlagers Dachau stammen aus 14 Ländern Europas, davon aus Deutschland 35, aus Polen 34, aus Frankreich 19, aus Österreich 10, aus Italien 9, aus der Tschechoslowakei 4, aus Belgien 3, aus den Niederlanden 3, aus Jugoslawien 2, aus Russland 2, aus Litauen 2, aus Estland 1, aus Griechenland 1 und Ungarn 1.
Die Sterbefälle wurden teilweise auf schriftliche Anzeige der Kommandantur des Konzentrationslagers Dachau im Sterbebuch von 1942 bis 1945 der Gemeinde Haunstetten eingetragen. Andere Angriffsopfer fanden sch im Buch des Standesamtes Augsburg, gemeldet vom Lager Dachau Außenkommando Haunstetten. Registriert sind außer den Namen, Geburtsdatum und Ort, der letzte Wohnort vor dem Lager, der Beruf, der Auffindungsort und die Staatsangehörigkeit.
Der Bereich des damaligen Außenlagers Haunstetten ist heute im Außenbereich mit Wohnbebauung und im Innenbereich durch einen Park mit Spielplätzen belegt. Im Park befindet sich ein kleiner Hain mit Gedenktafel und einem Mahnmal des Künstlers Claus Scheele (Mai 1985). Hier steht jetzt auch die Gedenktafel mit den Namen, der Altersangabe und der Nationalität sowie den Tagen der Bombenangriffe.
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